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Haie
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Haie: Die faszinierenden Jäger der Meere sind bedroht

Schon seit ca. 400 Millionen Jahren schwimmen sie durch die Weltmeere, lange bevor die ersten Saurier aus dem Ei geschlüpft sind. Sie zählen entwicklungsgeschichtlich zu den ältesten heute lebenden Wirbeltieren. Nach Jahrmillionen evolutionärer Verfeinerung brachte die Natur den elegant geformten Jäger hervor, den wir heute kennen. Viele Haiarten existieren beinahe unverändert seit über 60 Millionen Jahren, als die Dinosaurier sich von der Erde verabschiedeten.

Der "Wolf der Meere"

Hochentwickelte Fortpflanzung

Medizinischer Fortschritt durch Forschung am Hai?

Das Sinneswunder

"Mörder" - Image zu Unrecht

Haie sind Opfer des Menschen

Schwindel mit angeblichen "Anti-Krebsmitteln"

Gefährdung und internationaler Schutz

Greenpeace fordert

Gestalt, Sinnesorgane und Anpassungsfähigkeit machen Haie so erfolgreich, dass sie bis heute in großer Artenzahl existieren: Wissenschaftler unterscheiden zur Zeit etwa 460 Arten, vom 15 Zentimeter kurzen "Steuerschwanz-Katzenhai" bis zum ca. 14 Meter langen Walhai - dem größten Fisch überhaupt.

Lebensweise, Nahrung und Verhalten variieren sehr, nicht alle sind Jäger. Der Walhai zum Beispiel kommt sanftmütig daher. Sein riesiges, knapp zwei Meter breites Maul öffnet er nur, um Plankton zu "schlürfen". Pro Stunde filtriert er viele Tonnen Meereswasser. Besonders sportlich wirkt der bis zu drei Meter lange Langflossen-Mako, wenn er wie ein Delphin vollständig aus dem Wasser schnellt. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von über 55 Kilometern pro Stunde gehört er außerdem zu den schnellsten Haien. Das ungewöhnlichste Gesicht zeigen zweifellos die Hammerhaie, die die Evolution in besonderer Weise angepasst hat. Der breite, flache Kopf wirkt wie eine Antenne und kann selbst schwache elektrische Reize wahrnehmen. So können sie sogar im Sand vergrabene Rochen aufspüren.

nur eine ökologische Fischerei kann die Haie retten

Haie haben sich an jeden Meereslebensraum angepasst, von der Arktis über die gemäßigten Breiten und die Tropen bis in die Antarktis. Sogar Süßwasserbereiche haben sie erobert: der Gemeine Grundhai z.B. wagt sich weit in Flüsse vor, bis über 3.000 Kilometer vom Meeressalzwasser entfernt. Der bis zwei Meter lange Gangeshai gebärt seinen Nachwuchs wahrscheinlich im Süßwasser. Während sich die meisten Haie sowohl in Küstennähe als auch auf hoher See aufhalten, aber nicht tiefer als 300 Meter tauchen, ist zum Beispiel der Pazifische Schlafhai weit draußen in 1.000 Metern Tiefe zu Hause.

Der "Wolf der Meere"

Im Ökosystem spielen viele Haie eine Schlüsselrolle. Die Beutegreifer stehen an der Spitze der Nahrungspyramide und bilden das Meeres-Pendant zum Wolf oder Bär, Tiger oder Adler. Solche Jäger halten die Populationen ihrer Beutetiere in Grenzen und fressen überwiegend die Schwächsten und Kranken. Da sich Meeres-Ökosysteme über Millionen von Jahren als Ganzes entwickelt haben, kommt jeder Art eine wichtige Funktion zu. Wenn ein Jäger im Nahrungsnetz verschwindet, kann es zur explosionsartigen Vermehrung der Beutetiere kommen, und das Gleichgewicht gerät ins Wanken. Vor der Küste Floridas haben sich z.B. durch den Rückgang der Hammerhaie die Stachelrochen extrem vermehrt. Wegen der Überfischung von Haien vor Tasmanien und Australien nahmen Tintenfische derart zu, dass die Zahl der Hummer, Nahrung der Tintenfische, drastisch zurückging. 

Hochentwickelte Fortpflanzung

Während die Weibchen der meisten Fischarten Tausende von Eiern produzieren, die im Wasser befruchtet werden, paaren sich Haie wie höher entwickelte Wirbeltiere. Sie werden erst mit zehn bis zwölf Jahren oder später geschlechtsreif und viele haben nur alle zwei bis drei Jahre Nachwuchs. Die Trächtigkeit dauert mit drei Monaten bis einem Jahr recht lange. Mit zwei bis zwanzig Jungen pro Wurf erzeugen sie nur wenige Nachkommen - sie vermehren sich also sehr langsam. Der in der Nordsee heimische Dornhai wird sogar erst mit 25 Jahren geschlechtsreif, seine Jungen kommen nach einer Tragezeit von fast zwei Jahren zur Welt.

Die Weibchen einiger Haiarten legen die befruchteten Eier im Wasser ab. Eine ledrige Hülle schützt die Embryonen, die sich vom Eidotter ernähren. Viele Haiarten bringen sogar voll entwickelte Junge zur Welt, wie z.B. Weiss-, Blau- und Zitronenhai , Hammer- und Stierhai. Wie bei Säugetieren verbindet eine Nabelschnur die reifenden Jungen mit der Mutter. Nach der Geburt sind sie jedoch sofort auf sich selbst angewiesen, die Mutter schwimmt davon. Nur fünf Prozent der Haie gebären ihren Nachwuchs auf hoher See; die große Mehrheit ist auf intakte Lebensräume an den Küsten angewiesen, die als Geburts - und Kinderstuben dienen. Dies gilt genauso für die Nordsee, wie für die Flachwasserzonen tropischer Mangrovenwälder.

Medizinischer Fortschritt durch Forschung am Hai?

Das Skelett der Haie besteht nicht aus Knochen, sondern aus Knorpel. Da sie ein hocheffizientes Immunsystem entwickelt haben, versprechen sich Biomediziner von dessen Erforschung wichtige Erkenntnisse über die Funktion des menschlichen Immunsystems. Für die medizinische Forschung sind Haie noch aus anderen Gründen interessant: die Hornhaut des Haiauges wird als Transplantat für Menschen erprobt. Haiblut enthält Substanzen gegen Verklumpung. Hai-Leberöl scheint die Produktion weißer Blutkörperchen anzukurbeln, außerdem ist es eine aktive Substanz in Medikamenten gegen Hämorrhoiden. 

Das Sinneswunder

Haie sind keineswegs primitive Wesen mit kleinen Hirnen. Auch Haie sind lernfähig. Für Menschen ist es kaum vorstellbar, wie viele Sinneseindrücke gleichzeitig auf einen Hai wirken und sein Verhalten beeinflussen. Unzählige Sinneszellen schicken Signale ans Gehirn, die von chemischen, optischen, akustischen, mechanischen und elektrischen Reizen ausgelöst werden. Geräusche, wie sie vom Zappeln eines verwundeten Fisches ausgehen, locken einen Hai aus großer Entfernung an. Sein Gehör ist auf niedrigere Frequenzen spezialisiert als das des Menschen. Sobald sich der Hai der Geräuschquelle nähert, riecht er evtl. Blut, was ihm die Orientierung erleichtert. Mit Hilfe von Riechgruben an der Schnauze spürt er chemische Substanzen aus Blut und Fleisch in extrem geringen Konzentrationen auf. Den Rekord halten bestimmte Riffhai-Arten, die Fleischextrakte selbst in einer Verdünnung von eins zu zehn Milliarden riechen. Haie nehmen außerdem schwache elektrische Spannungsfelder wahr, die z.B. vom Herzschlag oder von Muskelkontraktionen der Beute stammen. Dieses empfindliche Sinnesorgan, die "Lorenzini`schen Ampullen", besteht aus dünnen, schleimgefüllten Kanälen, die über Poren mit der Hautoberfläche verbunden sind. Weitere Informationen gewinnt der Hai optisch, während er seine Beute umkreist oder über den Tastsinn, falls er sie mit der Schnauze anstößt.

"Mörder" - Image zu Unrecht

Für viele ist ein Hai der Inbegriff des Schreckens, obwohl nur wenige Menschen zum Opfer werden. Zwischen 50 und 80 Haiangriffe werden dem "International Shark Attack File", dem weltweiten Sammelregister, pro Jahr gemeldet. Fünf bis 15 davon enden tödlich. So tragisch das ist, sollte man doch die Relation im Auge behalten: Millionen Menschen baden und tauchen täglich im Meer, für sie ist das Risiko, von einem Hai angegriffen zu werden, minimal. Es sterben mehr Menschen durch Bienenstiche oder Blitzschlag. Im Jahr 2000 wurden allein 150 Menschen durch herabfallende Kokosnüsse getötet. Laut Unfallberichten sind ohnehin nur 44 der 460 Hai-Arten als gelegentliche Angreifer bekannt. Dazu gehören Weißer Hai, Bullenhai, Gemeiner Grundhai sowie verschiedene Arten von Riffhaien. Der Weiße Hai, der im gleichnamigen Film als "mordende Fressmaschine" inszeniert wird, geht unter natürlichen Bedingungen nur alle ein bis zwei Monate auf Jagd.

Die berüchtigten Gruselbilder in Film und Fernsehen werden häufig durch gezielte Provokation mit blutigen Ködern erst möglich. Der Mensch gehört nicht zum Futterspektrum von Haien. Haie bevorzugen Beute wie Robben und Seehunde. Einen Menschen attackieren Haie dann, wenn er z.B. in ihr Territorium eindringt oder wenn Blut im Wasser ist, z.B. durch harpunierte Fische. "Gezielte" Angriffe auf Taucher oder Surfer beruhen eher auf einer fatalen Verwechslung: wer bäuchlings auf einem Surfbrett paddelt, ähnelt aus Sicht des Hais einer Robbe - und diese gehört zum Beuteschema.

Der Mensch dagegen jagt Haie in einer Größenordnung, die einige Arten an den Rand der Existenz treiben. Elf Arten stehen bereits auf der internationalen "Roten Liste" der IUCN, etwa 70 Arten gelten als gefährdet. Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO sterben jährlich mindestens 100 Millionen Haie durch die Fischerei. Hunderttausende Haie werden allein durch die industrielle Langleinenfischerei im Pazifik getötet.
 

Haie sind Opfer des Menschen

Je mehr die Bestände traditioneller Speisefische durch den Raubbau der industriellen Fangflotten schwinden, desto stärker werden andere Arten genutzt, also auch Haie. Deutschland gehört zwar nicht zu den Hai-Fangnationen, aber der hiesige Markt für Haiprodukte floriert. Sie verstecken sich hinter phantasievollen Bezeichnungen, so dass die meisten Verbraucher nicht wissen, was sie wirklich kaufen. Eine beliebte Delikatesse sind "Schillerlocken", die geräucherten Bauchlappen des kleinen Dornhais, der in der Nordsee und im Nordost-Atlantik längst überfischt und gefährdet ist. Sein Rückenfilet bieten die Fischhändler als "See-Aal" an. Heringshaie laufen unter "Kalbs-fisch", "Seestör" oder "Karbonadenfisch". Viele große Supermärkte und Restaurants führen auch Haisteaks im Sortiment.

Haie sind Opfer der modernen Fangmethoden mit immer größeren Netzen und längeren Leinen. Früher galten sie oft als "unnützer Beifang", der wieder über Bord ging. Heute werden sie vor allem wegen ihrer lukrativen Flossen gejagt, die in Asien, aber auch in Nordamerika und Europa als Delikatesse gelten. Suppen mit Haiflossen gibt es zunehmend auch in Deutschland, besonders in Läden mit asiatischen Lebensmitteln oder Restaurants. Ihren Geschmack erhält die "Haifischflossensuppe" allerdings nur durch Gewürze.

Zum Großabnehmer für Haiprodukte hat sich auch die Pharma- und Kosmetikindustrie gemausert. Collagen, Zauberwort für viele Schönheitscremes, gewinnen Hersteller auch aus Knorpelskeletten hunderttausender Haie und Rochen. Die Leber, die bei Haien bis zu 20 Prozent des Körpergewichts ausmachen kann, enthält eines der feinsten Naturöle, "Squalen" genannt. Es wird u.a. für Salben und Cremes verwendet.

Schwindel mit angeblichen "Anti-Krebsmitteln"

Weil Haie selten von Tumoren befallen sind, finden angebliche "Antikrebspillen" aus getrocknetem Haiknorpel reißenden Absatz. Viele Krebskranke in den USA und in Europa hoffen auf Genesung durch diese vollkommen wirkungslosen Präparate. "Ebenso könnten Kurzsichtige versuchen, ihre Sehkraft durch den Verzehr von Adlerfleisch zu stärken", kommentiert der Biochemiker Carl Luer, der an einem Meeresforschungslabor in Florida/USA Haiknorpel untersucht.

Einer der Hauptproduzenten von Knorpel in Costa Rica verarbeitet nach eigenen Angaben mehr als 200 Haie täglich beziehungsweise 350.000 Kilogramm Hai-Fleisch pro Monat. Der getrocknete Knorpel wird in die USA und nach Europa exportiert.

Solche Spezialverarbeiter gibt es viele in Mittelamerika. Die meisten Haie werden als Jungtiere gefangen, bevor sie geschlechtsreif sind. Das zeigt, dass die Zahl der ausgewachsenen, fortpflanzungsfähigen Tiere bereits stark dezimiert ist und mangels Nachwuchs ein Zusammenbruch der Bestände droht. Wissenschaftler warnen vor den Folgen für die sensiblen Ökosysteme tropischer Küstenmeere - Folgen, die auch die Fischer von Speisefischen zu spüren bekommen werden.

Nur wenn es gelingt, die Fischereimethoden so zu verändern, dass ein Überleben der Haie garantiert wird, werden auch die Fischer eine Überlebenschance haben. Mit Haien ist es wie mit den Walen: Sie sind Indikatoren für den Gesamtzustand unserer Meere. Wenn die Haie verschwinden, werden auch viele andere Arten verschwinden - und die Lebensvielfalt der Meere wird weiter verarmen. Es liegt in der Hand der Menschen, also auch in der Hand jedes Einzelnen von uns, das zu verhindern. 

Gefährdung und internationaler Schutz
Die Haispezialisten-Gruppe (Shark specialist group SSG) der IUCN hat elf stark gefährdete Hai- und sechs Rochenarten (mit Haien eng verwandt) auf ihre "Rote Liste" gesetzt bzw. die Aufnahme bei CITES vorschlagen. Die elf Haiarten sind:

Düsterer Hai (Carcharhinus obscurus)

Gangeshai (Glyphis gangeticus)

Grossflossen- oder Sandbankhai (Carcharhinus plumbeus)

Heringshai (Lamna nasus)

Riesenhai (Cetorhinus maximus)

Sandtiger (Carcharias taurus)

Schokoladenhai (Dalatias licha)

Schwarzspitzenhai (Carcharhinus limbatus)

Sechskiemenhai (Hexanchus griseus)

Walhai (Rhincodon typus)

Weisser Hai (Carcharodon carcharias)

Auf der Konferenz des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) im November 2002 in Chile haben die Länder Indien und die Philippinen den Schutz des Walhais sowie Großbritannien und Irland den Schutz des Riesenhais beantragt. Beide Anträge auf Anhang II wurden nach anfänglichen Schwierigkeiten dann gegen Ende der Konferenz doch überraschend angenommen - ein erster großer Erfolg für die Haie! 

Greenpeace fordert:
Politik, Fischindustrie und Handel müssen die bestehende Fischerei verändern, entsprechend den "Greenpeace-Prinzipien für eine ökologische Fischerei".

Verzicht auf den Verkauf von Haiprodukten, bis garantiert werden kann, dass keine Hai-Bestände oder -Arten bedroht werden. Fangmethoden und Herkunft der Haiprodukte müssen klar erkennbar sein.

Sofortiger Verzicht auf Produkte von gefährdeten Arten wie z.B. Dornhai oder Heringshai.

Das können Sie tun:
Kaufen Sie keine aus gefährdeten Tierarten hergestellten Produkte. Dazu gehören alle Haiprodukte wie z.B. "Schillerlocken", "Seeaal", Haisteak und Haifischflossensuppe, aber auch Arzneimittel und Kosmetika, die Produkte aus Haien enthalten, z.B. Hai-Leberöl.

Schreiben Sie an den Bundesverband der deutschen Fischwirtschaft und fordern Sie den Verzicht auf Haiprodukte sowie die Kennzeichnung aller Produkte, die sich an den "Greenpeace-Prinzipien für eine ökologische Fischerei" orientieren sollte.

Adresse:
Bundesmarktverband der deutschen Fischwirtschaft e.V., Große Elbstraße 133, 22767 Hamburg



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